News von Tourbillon Magazin - Ester Elionore Haldimann, Paris  |  22-11-2006



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Tourbillon: Marie -Antoinette, eine Eiche und Hayek | Tourbillon Magazin - Ester Elionore Haldimann, Paris

Tourbillon: Marie -Antoinette, eine Eiche und Hayek

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(u-s:b /Tourbillon Magazin - Ester Elionore Haldimann, Paris) Die edle Uhrenmarke Breguet lässt für Millionen das Petit Trianon in Versailles restaurieren. Dahinter steckt eine Eiche, eine Uhr und Nicolas G. Hayek.

Das Schloss Versailles ist ein kostspieliges Bijou der französischen Nation. Schon nur der Unterhalt kostet jährlich 31 Millionen Euro, weshalb für grossangelegte Renovationen Finanzspritzen privater Firmen willkommen sind. Vor kurzem investierte die Vinci-Gruppe 12 Millionen Euro, um dem berühmten Spiegelsaal neuen Glanz zu verleihen. Nun will die Schweizer Uhrenfirma Breguet mehrere Millionen stiften, damit das kleine Trianon aufgefrischt werden kann.
Dieses Schlösschen mit Flachdach und griechischen Säulen liess einst Ludwig XV. für seine Favoritin, Madame Pompadour, bauen. Sein Nachfolger Ludwig XVI. schenkte es seiner Gattin, der Königin Marie-Antoinette. Ihre arrangierte Ehe war allerdings unglücklich. Da erstaunt es nicht, wenn die anmutige und temperamentvolle Königin im kleinen Trianon Bewunderer und Liebhaber empfangen hat. «Ein unbekannter Bewunderer bestellte für sie eine Taschenuhr als Einzelstück, zweifellos die komplexeste Uhr der Welt», erzählt Nicolas G. Hayek. Dieser Unbekannte bestellte die aussergewöhnliche Uhr 1783 bei Abraham-Louis Breguet. Der Neuenburger hatte sein Geschäft 1775 in Paris eröffnet und war innerhalb der Aristokratie schnell für seinen Erfindergeist und sein Können ein Begriff. Seine Feinmechaniker arbeiteten aber 43 Jahre lang an der Realisierung dieser Taschenuhr mit automatischem Aufzug, unabhängigem Sekundenzeiger, Wochentagsanzeige und einer besonderen Ankerhemmung.
Die Platinen, Brücken und alle Teile des Lauf-, Repetitions- und Kalenderwerks waren aus geschliffenem Rotgold; das Gehäuse strahlte in Gelbgold. Ein weiteres Kennzeichen dieser heute unauffindbaren Uhr war ihre durchsichtige Vorder- und Rückseite aus Bergkristall. Marie-Antoinette bekam dieses Wunderwerk nie zu Gesicht: Sie kam 1793 im Alter von 37 Jahren auf der Place de la Concorde unter die Guillotine.

Wo ist das Original ?

Nachdem die Uhr mehrmals den Besitzer gewechselt hatte, stahl sie jemand 1983 im L. A. Mayer Museum für Islamische Kunst in Jerusalem. Keiner würde die «Marie-Antoinette» lieber wiederfinden als Nicolas G. Hayek. Der Vorstandsvorsitzende der Swatch Group kaufte Breguet 1999. Seither sucht und kauft er weltweit in Auktionshäusern alle alten Breguet-Originaluhren. Die «Marie-Antoinette» bleibt aber unauffindbar. Hayek entschied sich schliesslich, sie originalgetreu nachzubauen. Dieses Trostpflaster steht in Verbindung mit einem anderen Drama aus Versailles: Marie-Antoinette ruhte sich nämlich gerne unter einer hohen Eiche im Garten des Trianons aus. Der über dreihundertfünfzigjährige Baum fiel aber der Hitzewelle von 2003 zum Opfer und musste gefällt werden. Gleichzeitig feierte Breguet im Schloss Versailles den 200-jährigen Geburtstag der Erfindung des Drehgestells durch Abraham-Louis Breguet: Deshalb begann eine Art Liebesgeschichte zwischen Hayek und Versailles: Aus dem Holz der Eiche soll das Kästchen für die neue «Marie-Antoinette» geschnitzt werden, und auch das Renovationsprojekt kam so zustande. «Versailles, das ist unsere Geschichte, unser Erbe», begründet Hayek diese Investition.
Es sei legitim, sich näher dafür zu interessieren. «Breguet verkehrte am Hof. Er war der Uhrmacher der Könige und Königinnen, und Versailles ist das Symbol der Perfektion und der Kreativität. Versailles und Breguet stehen sich also sehr nahe», betont Arlette-Elsa Emch, Mitglied des Verwaltungsrates von Breguet und Leiterin des Renovationsprojektes. Wieviel Breguet in die Renovation der Tapisserien und der Tapeten, des Belvédère und des Pavillons des kleinen Trianons investiert, will weder sie noch Hayek sagen. Auch der zukünftige Preis der «neuen» Marie-Antoinette könne noch nicht beziffert werden, da ihre Fabrikation zwei bis drei Jahre dauern könne. Das 1983 in Jerusalem gestohlene Original werde mit Einbeziehung zeitgenössischer Technologien exakt nachgebaut.

Wert: über 10 Millionen

Übrigens spielte Hayek mit dem Gedanken, eine grosse Summe als Belohnung für Informationen auszusetzen, die das Original ans Tageslicht brächten. Existiert es tatsächlich noch, wird sein Wert auf über 10 Millionen Dollar geschätzt. Da wäre auch eine Belohnung für den unbekannten, reichen Besitzer nur eine kleine Herausforderung.
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Tourbillon Magazin - Ester Elionore Haldimann, Paris 

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