Schweizer Uhrenindustrie nach dem China-Börsencrash

Zwischen dem 12. Juni und dem 3. Juli verloren chinesische Aktien rund 30 Prozent ihres Wertes. Dieser Kurssturz erfüllt die schweizerische Uhrenindustrie mit Sorge, denn China ist mit Abstand der größte Absatzmarkt für Schweizer Uhren.

In den letzten Jahren hat Chinas Regierung die Bevölkerung ermuntert, in Aktien zu investieren. Heute sind chinesische Privatanleger mehr in Wertpapieren engagiert als Europäer oder Amerikaner. Daher trifft der Börsencrash viele chinesische Haushalte.

Wichtigster Absatzmarkt

Falls Chinesen künftig über weniger Geld zum Kauf von Luxusgütern wie Uhren verfügen, leidet die Uhrenindustrie der Schweiz. Die Volksrepublik ist ihr wichtigster Absatzmarkt. Dies gilt für modische Plastikuhren von Swatch genauso wie für die exklusiven Modelle von Rolex, Omega, Blancpain oder IWC. Hongkong alleine hatte letztes Jahr an den Schweizer Uhrenexporten von 22 Milliarden Franken einen Anteil von 18,5 Prozent – fast das Dreifache von Festlandchina.

Exporteinbruch nach Hongkong

Die ehemalige britische Kronkolonie erwies sich in den ersten fünf Monaten dieses Jahres jedoch als hartes Pflaster. Um 19 Prozent brachen die Ausfuhren in die Sonderverwaltungszone gegenüber der Vorjahresperiode ein. Die Proteste der Demokratiebewegung in Hongkongs Geschäftsvierteln, wo sich die bekanntesten Einkaufsmeilen befinden, behinderten den Verkauf. Auch die verschärfte Antikorruptionspolitik der chinesischen Regierung ist für die Bremsspur in der Exportstatistik mitverantwortlich. Sie bewirkt, dass weniger Bestechungsgeschenke gekauft werden.

Nur ein Sturm im Wasserglas?

Wie sich die Börsenkrise Chinas auf die Verkäufe von Swatch, Richemont und anderen Uhrenherstellern in der Schweiz auswirkt, ist noch unklar. Die chinesische Regierung interveniert massiv, um einen weiteren Kursverfall abzuwenden. Seit letztem Donnerstag haben sich die Aktienkurse etwas erholt. Sollte sich der Kursrutsch nicht fortsetzen, sind keine größeren Folgen zu befürchten. Trotz der Korrektur der letzten drei Wochen stieg der Shanghai Composite Index innerhalb des letzten Jahres um knapp 90 Prozent. Verluste erlitten nur Anleger, die sich erst vor ein bis zwei Monaten an die Börse wagten. Wichtig ist allerdings, dass es der chinesischen Regierung rasch gelingt, den Aktienmarkt zu stabilisieren. Denn neben der effektiven Vermögensentwicklung ist das Vertrauen in die Zukunft der entscheidende Faktor für das Geschäft mit Luxusgütern. Bisher war das Vertrauen der Chinesen in die Wirtschaftslenkung ihrer Führung ungebrochen.

Welchen Einfluss die Börsenturbulenzen in der Volksrepublik tatsächlich haben, wird frühestens die Exportstatistik des Monats Juni zeigen, die der Branchenverband am 21. Juli publiziert.

 

Quelle: http://www.handelszeitung.ch/

Bildnachweis: Omega

 

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